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„Ich habe die Verbindung zur jungen Generation nie verloren“

„Ich habe die Verbindung zur jungen Generation nie verloren“

„Ich habe die Verbindung zur jungen Generation nie verloren“

Interview mit Josef Dörr, AfD-Fraktionsvorsitzender

Der AfD-Fraktionsvorsitzende Josef Dörr will mit 83 Jahren noch einmal in den Landtag. Er ist Spitzenkandidat im Regionalverband Saarbrücken. Was hat er den jungen Menschen im Saarland zu bieten?

Ursprünglich war dieses Interview nicht mit Ihnen geplant, Herr Dörr, sondern mit dem Spitzenkandidaten auf der Landesliste, Kai Melling. Die Landesliste wurde aber wegen interner Streitigkeiten von Mitgliedern der AfD zurückgezogen. Wie stehen Sie dazu?

Die Streitigkeiten kommen nicht von mir. Wir waren ein sehr geordneter Landesverband, bis der Bundesvorstand im März 2020 eingegriffen hat, um den Vorstand des Amtes zu entheben. Seither läuft nun schon einiges aus dem Ruder. Meiner Ansicht nach darf das niemals dazu führen, dass der Wille der Wähler, hier der der Parteimitglieder, umgangen wird. Die Mehrheit war für Kai Melling, einigen hat das nicht gepasst. In einer Demokratie muss man so etwas einfach mal hinnehmen, aber man kann unter keinen Umständen mit Verfahrenstricks den Wählerwillen aushebeln. Der Bundesvorstand hat konsequent gehandelt, allen beteiligten Personen sofort ihre Mitgliederrechte entzogen und ein Ausschlussverfahren eingeleitet.

Denken Sie nicht, dass diese Streitigkeiten in Ihrer Partei so kurz vor der Wahl das Vertrauen Ihrer Wähler schädigt? Machen Sie sich Sorgen um den Wahlerfolg Ihrer Partei?

Im Großen und Ganzen mache ich mir keine Sorgen. Es gefällt mir nicht, aber wir haben noch zwei Monate, unseren Wählern zu erklären, wie das zustande gekommen ist und dass die Verantwortlichen nicht die Partei sind. Zumal ich schon viele Male gehört habe, dass wir eine stabile Wählergruppe haben, unabhängig davon, was in der Führung ist.

Halten Sie die AfD im Saarland vor dem Hintergrund des internen Parteikonflikts langfristig für regierungsfähig?

Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten existieren auch innerhalb der anderen Parteien und im Verhältnis der Parteien miteinander. Man muss nicht gleich miteinander befreundet sein, um Politik zu machen, also bin ich da zuversichtlich. Wenn wir den Auftrag kriegen, werden wir diesen wahrnehmen.

Das ist Josef Dörr
Das ist Josef Dörr

Zur Wahl selbst. In Anbetracht ihres Alters und dem Alter unserer Leserschaft stellt sich uns die Frage, inwiefern Sie sich für junge Saarländer:innen einsetzen wollen – und können?

Können auf jeden Fall. Als Lehrer habe ich auch mit und für Menschen gearbeitet, die bedeutend jünger waren als ich. Ich habe die Verbindung zur jungen Generation nie verloren, vor allem habe ich in meinem Leben immer sehr junge Gedanken gehabt. Ich würde mich freuen, wenn die junge Generation so beweglich und so zukunftsgerichtet wäre wie ich. Ich bin auch für das Wahlrecht ab 16, passiv und aktiv.

Im letzten Wahlprogramm kritisierte die AfD die Inklusion und politische Indoktrination im Schulunterricht. Was ist zu verbessern?

Vor allem ist mir wichtig, dass die Schule große Freiheit hat. Am besten ist die selbständige, selbstverwaltete Schule. Außerdem muss man immer daran denken, dass der Kunde nicht der Staat, sondern das Kind und die Eltern des Kindes sind. Das Thema Inklusion hat mich als Ex-Rektor einer Förderschule selbst betroffen. Die Kinder sind normal behindert. Jeder ist behindert – ich auch, weil ich eine Brille trage. Wenn solche Kinder in der Schule nicht mitkommen, werden sie als Kinder zweiter Klasse abgestempelt. Inklusion ist eine Mogelpackung. Wenn ein Kind nicht mit anderen Kindern mitkommt, dann erlebt dieses Kind das täglich und da können Sie drei Lehrer neben das Kind setzen, es bleibt eine tägliche Niederlage. Kommt dieses Kind in eine gesonderte Förderschule, sind dort andere Kinder mit ähnlichen Problemen. Und siehe da – jetzt darf dieses Kind auch das Filmgerät bedienen und auch die Tafel wischen. So haben Sie aus diesem Kind der Niederlage ein Kind des Sieges gemacht. Das ist wichtig. Politische Indoktrination gab es in meiner Schule nicht. Ich kann nicht beurteilen, wie das in anderen Schulen ist. Ich schließe nicht aus, dass es passiert.

Im letzten Wahlprogramm kritisierte die AfD die Inklusion und politische Indoktrination im Schulunterricht. Was ist zu verbessern?

Vor allem ist mir wichtig, dass die Schule große Freiheit hat. Am besten ist die selbständige, selbstverwaltete Schule. Außerdem muss man immer daran denken, dass der Kunde nicht der Staat, sondern das Kind und die Eltern des Kindes sind. Das Thema Inklusion hat mich als Ex-Rektor einer Förderschule selbst betroffen. Die Kinder sind normal behindert. Jeder ist behindert – ich auch, weil ich eine Brille trage. Wenn solche Kinder in der Schule nicht mitkommen, werden sie als Kinder zweiter Klasse abgestempelt. Inklusion ist eine Mogelpackung. Wenn ein Kind nicht mit anderen Kindern mitkommt, dann erlebt dieses Kind das täglich und da können Sie drei Lehrer neben das Kind setzen, es bleibt eine tägliche Niederlage. Kommt dieses Kind in eine gesonderte Förderschule, sind dort andere Kinder mit ähnlichen Problemen. Und siehe da – jetzt darf dieses Kind auch das Filmgerät bedienen und auch die Tafel wischen. So haben Sie aus diesem Kind der Niederlage ein Kind des Sieges gemacht. Das ist wichtig. Politische Indoktrination gab es in meiner Schule nicht. Ich kann nicht beurteilen, wie das in anderen Schulen ist. Ich schließe nicht aus, dass es passiert.

„Wenn es nicht in der Schule anfängt, wo soll es dann anfangen?“

Die anderen Parteien wollen zurück zum neunjährigen Gymnasium. Wie stehen Sie zu G9?

Ich bin nicht für Zeitvorgaben, ich bin für Zielvorgaben. Es ist ein Unding, eine Gruppe von Kindern in einer bestimmten Zeit in elf oder mehr Fächern zum selben Ergebnis zu führen. Außerdem brauche ich für ein Kind länger als für das andere. Diese Komplexität muss die Schule erkennen und die Kinder danach ausbilden. Das führt zwangsläufig dazu, dass ich nicht pauschal sagen kann „Ich mache jetzt G8“ oder „Ich mache jetzt G9“. Nein, ich muss mir für jedes Kind die Zeit nehmen, die es braucht. Deshalb bin ich natürlich für G9, weil es die ganze Geschichte etwas flexibler macht.

Wie steht die AfD Saarland zur Digitalisierung in Schulen?

Es ist unabdingbar, und zwar in allen Bereichen. Wenn es nicht in der Schule anfängt, wo soll es dann anfangen? Für die Kinder ist das sowieso kein Problem, eher für die Lehrer. Das geht im Wesentlichen nur, wenn man freiwillige Pilotprojekte macht, jemanden findet, der das gerne macht und das an den Schulen vormacht. Es muss immer Vorbilder geben, es nützt nichts, wenn man flächendeckend etwas mit untauglichen Mitteln einführen will.

Wie möchten Sie Anreize schaffen, dass junge qualifizierte Saarländer:innen ihren Bildungsweg an saarländischen Hochschulen fortsetzen, statt das Saarland zu verlassen?

Zur Gründungszeit der Universität Saarbrücken waren wir eine mehrsprachige Uni, führend in Wirtschaft und Informatik. Das geht nur, indem ich das nötige Geld bereitstelle. Das ist Punkt eins. Punkt zwei ist: Ich muss der Universität die Möglichkeit geben, sich in noch stärkerem Maße selbst zu verwalten und selbst zu verwirklichen. Man macht das schon mit an der Uni gegründeten Start-ups vor. Das muss alles noch verstärkt werden. Die Unibibliothek ist auch die Landesbibliothek, das müsste im Grunde genommen ein zentraler kultureller Ort für alle Saarländer sein. Wir haben im Landtag beschlossen – die AfD nicht –, dass die Verwaltungsgebühr erhoben werden darf. Das macht die Uni selbst und hat immer 1000 Gründe, weshalb sie es machen muss. Das sind alles Hemmnisse.

„In die Köpfe der Leute muss eingehämmert werden, dass man für alle Berufe taugliche Leute braucht“

Neben einer Hochschulausbildung bietet es sich für junge Menschen ebenso an, eine Lehre zu absolvieren. Viele Handwerksberufe haben jedoch mit Nachwuchsschwierigkeiten zu kämpfen. Was würde die AfD im Saarland tun, um das Handwerk zu stärken?

Weil ich aus dem Lehrerberuf komme, habe ich mich immer dagegen gewehrt, dass Mütter gesagt haben: „Mein Sohn soll sich die Hände nicht schmutzig machen“. Oder dass Väter dann sagen: „Mein Sohn/meine Tochter soll es besser haben als ich“ und dann denken sie, er oder sie soll Professor werden. Das System Gymnasium-Gemeinschaftsschule ist Betrug an den Gemeinschaftsschülern. Ich hätte gerne nur eine Schule, in der es zwei allgemeinbildende Zweige gibt.

Welche sollen das sein?

Der eine Zweig hat einen wissenschaftlichen Schwerpunkt und ein berufliches Angebot für die Leute, die an der Uni studieren sollen. Der andere Zweig hat einen beruflichen Schwerpunkt und ein wissenschaftliches Angebot für die Leute, die in die Handwerke gehen. Die Möglichkeit zum Wechsel der Zweige muss offen sein. In die Köpfe der Leute muss eingehämmert werden, dass man für alle Berufe taugliche Leute braucht. Man hat bisher zu sehr darauf gedrängt, dass Leute in Büros arbeiten, einen Hochschulabschluss haben. Man muss diese Berufe aufwerten und das geht nicht, indem man hingeht und sagt: „Ich werte die jetzt auf.“ Nein, das muss in der Tat geschehen und Teil der Erziehung sein. Dann kriegen wir diese Probleme auch nicht.

Schon seit der Schließung der letzten saarländischen Grube setzt das Saarland neue Schwerpunkte in Wissenschaft und Technik. Wie ist die saarländische Wirtschaft im Strukturwandel zu begleiten?

Das ist eines meiner Steckenpferde. Das ist eine allumfassende Aufgabe, die erfordert viel Fantasie und Mut. Wir brauchen im Saarland eine Bildungshochburg, eine Bildungsindustrie. Da müssen alle daran teilnehmen, jeder kann vom Anderen lernen, das muss nur organisiert werden. Wir haben gut ausgebildete Leute, das darf man nicht verkommen lassen. Warum haben wir keine voll ausgebauten Übersetzungs- und Wissenschaftssysteme, die wir in aller Welt verkaufen? Das müsste massiv ausgebaut werden, dafür brauchen wir keine fruchtbaren Böden und keine Kohle in der Erde. Das haben wir in den Köpfen, das haben wir auch selbst in der Hand. Eine Bildungsgesellschaft müssen wir werden. Das müsste unbedingt oberste Priorität der Regierung sein.

Für das Saarland sind Unternehmen der Industrie nach wie vor ein bedeutsamer Arbeitgeber, zum Beispiel Ford. Wie wollen Sie diese Arbeitsplätze absichern?

Das ist sehr schwierig. Wenn man für die Zukunftslinie ist, heißt das nicht, dass man alles, was man hat, wegwirft. Bei den Gruben haben wir es gesehen. Wenn der Verbrennungsmotor verteufelt wird, müssen wir im Saarland nicht daran interessiert sein, Elektroautos herzustellen. Wenn wir den Verbrennungsmotor herstellen, müssen wir schauen, dass wir diese Autos auch noch in der Zukunft herstellen. Ford ist ein Privatunternehmen, die kümmern sich nicht um unsere Lage. Es ist ein unverschämter Wettbewerb, der uns auferlegt wird von diesen Unternehmen. Was kann man machen, um diese Herrschaften dazu zu bewegen, ihre Produktionsstätte im Saarland zu behalten? Da muss nicht das Saarland, sondern der Bund eingreifen.

Schon seit der Schließung der letzten saarländischen Grube setzt das Saarland neue Schwerpunkte in Wissenschaft und Technik. Wie ist die saarländische Wirtschaft im Strukturwandel zu begleiten?

Das ist eines meiner Steckenpferde. Das ist eine allumfassende Aufgabe, die erfordert viel Fantasie und Mut. Wir brauchen im Saarland eine Bildungshochburg, eine Bildungsindustrie. Da müssen alle daran teilnehmen, jeder kann vom Anderen lernen, das muss nur organisiert werden. Wir haben gut ausgebildete Leute, das darf man nicht verkommen lassen. Warum haben wir keine voll ausgebauten Übersetzungs- und Wissenschaftssysteme, die wir in aller Welt verkaufen? Das müsste massiv ausgebaut werden, dafür brauchen wir keine fruchtbaren Böden und keine Kohle in der Erde. Das haben wir in den Köpfen, das haben wir auch selbst in der Hand. Eine Bildungsgesellschaft müssen wir werden. Das müsste unbedingt oberste Priorität der Regierung sein.

Für das Saarland sind Unternehmen der Industrie nach wie vor ein bedeutsamer Arbeitgeber, zum Beispiel Ford. Wie wollen Sie diese Arbeitsplätze absichern?

Das ist sehr schwierig. Wenn man für die Zukunftslinie ist, heißt das nicht, dass man alles, was man hat, wegwirft. Bei den Gruben haben wir es gesehen. Wenn der Verbrennungsmotor verteufelt wird, müssen wir im Saarland nicht daran interessiert sein, Elektroautos herzustellen. Wenn wir den Verbrennungsmotor herstellen, müssen wir schauen, dass wir diese Autos auch noch in der Zukunft herstellen. Ford ist ein Privatunternehmen, die kümmern sich nicht um unsere Lage. Es ist ein unverschämter Wettbewerb, der uns auferlegt wird von diesen Unternehmen. Was kann man machen, um diese Herrschaften dazu zu bewegen, ihre Produktionsstätte im Saarland zu behalten? Da muss nicht das Saarland, sondern der Bund eingreifen.

Schon seit der Schließung der letzten saarländischen Grube setzt das Saarland neue Schwerpunkte in Wissenschaft und Technik. Wie ist die saarländische Wirtschaft im Strukturwandel zu begleiten?

Das ist eines meiner Steckenpferde. Das ist eine allumfassende Aufgabe, die erfordert viel Fantasie und Mut. Wir brauchen im Saarland eine Bildungshochburg, eine Bildungsindustrie. Da müssen alle daran teilnehmen, jeder kann vom Anderen lernen, das muss nur organisiert werden. Wir haben gut ausgebildete Leute, das darf man nicht verkommen lassen. Warum haben wir keine voll ausgebauten Übersetzungs- und Wissenschaftssysteme, die wir in aller Welt verkaufen? Das müsste massiv ausgebaut werden, dafür brauchen wir keine fruchtbaren Böden und keine Kohle in der Erde. Das haben wir in den Köpfen, das haben wir auch selbst in der Hand. Eine Bildungsgesellschaft müssen wir werden. Das müsste unbedingt oberste Priorität der Regierung sein.

Für das Saarland sind Unternehmen der Industrie nach wie vor ein bedeutsamer Arbeitgeber, zum Beispiel Ford. Wie wollen Sie diese Arbeitsplätze absichern?

Das ist sehr schwierig. Wenn man für die Zukunftslinie ist, heißt das nicht, dass man alles, was man hat, wegwirft. Bei den Gruben haben wir es gesehen. Wenn der Verbrennungsmotor verteufelt wird, müssen wir im Saarland nicht daran interessiert sein, Elektroautos herzustellen. Wenn wir den Verbrennungsmotor herstellen, müssen wir schauen, dass wir diese Autos auch noch in der Zukunft herstellen. Ford ist ein Privatunternehmen, die kümmern sich nicht um unsere Lage. Es ist ein unverschämter Wettbewerb, der uns auferlegt wird von diesen Unternehmen. Was kann man machen, um diese Herrschaften dazu zu bewegen, ihre Produktionsstätte im Saarland zu behalten? Da muss nicht das Saarland, sondern der Bund eingreifen.

„Atomstrom nutzen? Lieber setze ich mich abends mit einer Kerze ins Zimmer“

Nun zum Thema Klimawandel. In den letzten Jahren ist die Windkraft für das Saarland ein wichtiger Faktor geworden. Wie verhält sich Ihre Partei dazu?

Wir sind im Saarland dagegen, dass die Windkraft ausgebaut wird. Aber das ist ein Gesamtthema, man kann das nicht isoliert sehen. Im Augenblick macht man so, als wäre das prima mit den erneuerbaren Energien und holt dann den Atomstrom aus Frankreich. Es führt kein Weg daran vorbei, dass man Wege sucht, um die negativen Seiten der Stromerzeugung zu verringern oder zu beseitigen. Etwas kommt dabei zu kurz, das ist die Stromersparnis. Wenn Sie jetzt abends auf der Schlossmauer über Saarbrücken schauen, dann ist es taghell. Muss das alles sein? An dieses Feld muss man ganzheitlich herangehen.

Ein häufiger Slogan ihrer Partei lautet „Heimatschutz“. Müsste die AfD dann nicht mehr Initiative zur Bekämpfung des Klimawandels zeigen? Schließlich macht unsere natürliche Umwelt eine solche Heimat aus.

Ich bin umweltbewusst und mache, was ich kann. Das Klima ist eine etwas größere Sache und ist ständig dem Wandel unterworfen. Natürlich kann der Mensch das auch noch beeinflussen und das machen wir leider im Moment auch noch. Wir haben durch die Ausweitung der Industrie in die Natur eingegriffen und das muss auch zurückgenommen werden. Eine viel größere Anzahl von Menschen verbraucht viel mehr Dinge. Das kann nicht gut gehen. Deshalb muss an allen Fronten gearbeitet werden. Man muss dort, wo man steht, anfangen. Das heißt, man muss Naturschutz betreiben. Das Artensterben muss gestoppt werden. Die AfD bekommt auch manches angehängt, was Einzelne von sich geben. Das muss auch nicht die Meinung aller sein.

Kürzlich gab die EU-Kommission bekannt, Atomkraft als grüne Energie einstufen zu wollen. Ihr ehemaliger Bundesvorsitzender Jörg Meuthen hielt das für eine gute Entscheidung. Wie stehen Sie dazu?

Bei der EU habe ich ein grenzenloses Misstrauen. Ich bin ein überzeugter Europäer, aber was die daraus machen, ist zum Teil ganz schlimm. Ich denke, solange die Atomenergie nicht zu hundert Prozent beherrschbar ist, muss man mit äußerster Vorsicht rangehen, zumal die Endlagerung noch nicht geklärt ist.

„Sagen Sie mal Herr Dörr...“

Mit welchem Verkehrsmittel fahren Sie zur Arbeit?
Ich habe eine Karte für den ÖPNV, die ich selbst bezahle. Ich muss gestehen, ich fahre jetzt Auto. Ich habe aber noch ein schönes Fahrrad, das leider im Landtag steht. Der Wille ist da, aber es sieht schlecht aus.
Ihre Lieblingsserie?
Serien schaue ich keine. In der Regel schaue ich die Acht-Uhr-Nachrichten im russischen Fernsehsender „Planeta“ und gelegentlich den „Aktuellen Bericht“ im SR-Fernsehen.
Ihr Lieblingsort im Saarland?
Mein Heimatort Wemmetsweiler. Meine ganze Jugend und meine ganze Kindheit haben sich dort abgespielt. Jetzt wohne ich in Quierschied und da bin ich auch gerne.
Wie entspannen Sie vom politischen Alltag?
Ich lese gerne anspruchsvolle Literatur, aber gerade eher einfache Dinge – russische Romane der Gegenwart. Entspannung ist natürlich auch, wenn ich die Zeit habe, zu Fuß zu gehen.
Ihr Lieblingsessen?
Heute Mittag habe ich eines meiner Lieblingsessen gegessen: eingelegter Hering mit Salzkartoffeln. Ich esse aber auch gerne italienische Küche, ich bin kein Kostverächter. Mir schmeckt alles, was meine Frau macht.
Bereuen sie eine politische Entscheidung?
Unsere Anträge im Landtag werden alle abgelehnt. Insofern habe ich mit falschen Entscheidungen nichts zu tun.
Was tun Sie als Erstes, wenn Sie morgens ins Büro kommen?
Ich hole alles aus der Aktentasche raus, was ich an dem Tag machen will, das sortiere ich vor mir auf dem Schreibtisch, dann mache ich meinen Computer an und dann geht’s los.
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Der nächste Atomkraftstandort liegt in Cattenom, im Falle einer Katastrophe würde das Saarland ebenfalls erheblich betroffen sein. Bereitet Ihnen das Sorgen?

Ich mache mir darüber große Sorgen. Ich habe keine Angst, aber ich denke an meine Kinder und Enkelkinder und an mein Saarland. Wenn man sich das vorstellt, dass das Saarland und ganz Luxemburg weg wären: eine unerträgliche Vorstellung. Da bin ich radikal dagegen. Dann setze ich mich lieber abends mit einer Kerze ins Zimmer, als Atomstrom zu nutzen. Ich würde in der Komfortstufe gewaltig zurückgehen, um das zu vermeiden.

 

„Wenn ich wirklich etwas für ÖPNV machen will, dann muss ein anderer Takt her.“

Im Saarland sind viele junge Menschen auf den ÖPNV angewiesen. Leider ist der ÖPNV oftmals sehr teuer. Könnten Sie sich vorstellen, den ÖPNV für Schüler:innen kostenlos zu machen?

Das ist ein Muss und die Einnahmen muss man woanders hernehmen. Ich wundere mich immer, dass der Bund hier und dort Zuschüsse gibt. Wo kommt das Geld denn her: von uns. Dann kann es auch bei uns bleiben. Wenn Luxemburg es schafft, den ÖPNV für alle kostenlos zu machen, dann müssen wir uns schämen, dass wir es nicht für unsere Kinder machen.

Gerade in den ländlichen Gebieten reicht der ÖPNV nicht aus und man ist auf das Auto angewiesen. Sehen Sie Maßnahmen vor, um da die Infrastruktur auszubauen?

Wenn ich wirklich etwas für den ÖPNV machen will, dann muss ein anderer Takt her. Dann brauchen Sie kein Auto. Da ist noch unheimlicher Nachholbedarf. So wie es jetzt ist, geht es nicht. Ich werde die Vollmundigkeit der Regierung an den Fahrgastzahlen messen. Daran werde ich sehen, ob der ÖPNV funktioniert oder nicht.

Ihre Partei spricht dem Saarland eine Brückenfunktion zwischen Deutschland und Frankreich zu, sorgt sich aber um eine einseitige Freundschaft. Wie würden Sie den deutsch-französischen Dialog stärken?

Zuerst einmal müssen wir auch eine gute Partnerschaft zu Luxemburg haben. Ich stelle fest, dass bei uns Lippenbekenntnisse stattfinden, wenn es um den Erwerb einer weiteren Sprache, also Französisch, geht. Es heißt, manche Kitas sind zweisprachig, das ist gelogen. Die haben mal „Bonjour“ gelernt, das genügt aber nicht. In Lothringen verschwindet die deutsche Sprache. Wir stellen fest, dass die Franzosen ganz nach ihren eigenen Interessen handeln. Die Frankreich-Strategie ist für die nur ein Mittel, um Vorteile zu erlangen. Die Saarbahn bis nach Saargemünd ist in Teilen französische Schienenstrecke. Da muss eine Gebühr bezahlt werden, die sich in den letzten Jahren verdreifacht hat.

Die Landesregierung setzt sich das Ziel, bis zum Jahr 2043 das erste mehrsprachige Bundesland zu werden. Was halten Sie davon?

Von der Idee halte ich viel. Die Botschaft hörʼ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Es geht nur, wenn man es radikal macht. Zum Beispiel müssen morgens alle Fächer in Deutsch und mittags alle Fächer in Französisch oder umgekehrt gehalten werden. Um das anzufangen, müsste man Pilotschulen haben, die das praktizieren, und dann könnten die anderen Schulen auch sehen, dass es klappt. Aber man macht nichts. Bei uns ist die Bildungspolitik ein Totalschaden.

„Ich propagiere keine Verantwortungslosigkeit, aber möglichst viel Freiheit“

Die AfD positioniert sich kritisch gegenüber den bestehenden Corona-Maßnahmen der Landesregierung. Wie würden Sie die Pandemie bekämpfen?

Wir haben hier im Saarland ein Gesetz eingebracht, an dem die AfD auch mitgewirkt hat: Darin verpflichten wir die Landesregierung, bei einer Änderung von Rechtsverordnungen dem erweiterten Präsidium des Landtages vorzutragen, Kritik einzuholen und dementsprechend zu handeln. Wir haben dann auch die Möglichkeit, per Gesetz alle Änderungen außer Kraft zu setzen. Das wurde schon zum fünften Mal abgelehnt. Wir sind der Ansicht, dass die Regierenden von Anfang an Bockmist gemacht haben.Wir haben hier im Saarland ein Gesetz eingebracht, an dem die AfD auch mitgewirkt hat: Darin verpflichten wir die Landesregierung, bei einer Änderung von Rechtsverordnungen dem erweiterten Präsidium des Landtages vorzutragen, Kritik einzuholen und dementsprechend zu handeln. Wir haben dann auch die Möglichkeit, per Gesetz alle Änderungen außer Kraft zu setzen. Das wurde schon zum fünften Mal abgelehnt. Wir sind der Ansicht, dass die Regierenden von Anfang an Bockmist gemacht haben.

Warum?

Erstens ist ein gewaltiger Vertrauensverlust eingetreten, weil man die Leute belogen hat. Zweitens ist der Autoritätsverlust eingetreten. Die Nachverfolgung wird nicht mehr ernst genommen. Drittens ist es Anstiftung zur Rebellion. Wenn 6000 Leute auf die Straßen gehen, dann haben die ein Anliegen. Dieses Anliegen haben zigtausend andere auch. Das müsste der Regierung zu denken geben. Meine Politik in der Hinsicht ist, die Verantwortung den Menschen selbst zu geben. Ich propagiere keine Verantwortungslosigkeit, aber möglichst viel Freiheit. Man muss es den Leuten selbst überlassen, also die Eigenverantwortung einfordern. Dazu gehört auch, dass man die Leute nicht belügt, sondern die Menschen umfassend informiert.

Diesen Gegenstand hat Josef Dörr zu unserem Interview mitgebracht.

Wir haben alle Politiker:innen darum gebeten, zu den Interviews einen Gegenstand mitzubringen, der sie auf ihrem politischen Weg begleitet.

Ein Spaten als Symbol
“für den Aufbau” des Saarlandes.

Überall in Deutschland protestieren Menschen gegen die Corona-Maßnahmen, Ihre Partei befürwortet das. Denken Sie, die AfD wird im Saarland als Nebeneffekt dieser Proteste einen Aufschwung erleben?

Das ist schwer abzuschätzen. Wir haben selbst bei uns in der Fraktion glühende Befürworter der Impfung und haben Leute, die sind äußerst vorsichtig. Die AfD ist dabei der allgemeine Sündenbock.

Das AfD-Landesparteiprogramm von 2017 spricht von einer „typisch saarländischen Identität“. Was ist darunter zu verstehen?

Die Sprache ist eine gewisse Identität, obwohl wir in jedem Dorf eine andere Sprache haben.

Inzwischen ist aber auch durch gemeinsame Erlebnisse eine gewisse Identität entstanden und da ist die Sprache ein wesentliches Merkmal. Deshalb sind wir auch für die Erhaltung unserer Mundart.

Zunehmend lässt sich im Saarland das Phänomen der Landflucht beobachten. Dies führt dazu, dass das Sozialleben auf den Dörfern weitestgehend zerfällt und es zu Leerständen kommt. Wie möchten Sie die Lebensumstände sowohl für junge als auch ältere Menschen auf dem Land verbessern?

Bei uns ist die Landflucht noch sehr gering, es gibt keine Entfernungen im Saarland, die größer als 60 Kilometer sind. Bei uns sind die Dörfer sehr gut ausgebildet, die Straßen sind picobello und die Leute empfangen Fernsehen. Es sind noch keine Dörfer ausgestorben, aber es ist trotzdem ein Problem. Dem kann man nur beikommen, wenn man den ÖPNV ausbaut und besser an die Städte anbindet. Umgekehrt müssen natürlich auch die Leute, die im Dorf bleiben und sich dort wohlfühlen, das vorfinden, was man zum Leben braucht. Da ist es schlimm, wenn es Dörfer in der Größenordnung von 1000 Einwohnern gibt, in denen kein Lebensmittelgeschäft und keine Gaststätte mehr ist. Bei uns gibt es keine Landflucht, eher einen Zug zur Stadt. Man kann das nur bremsen, indem man die Anziehungskraft der Orte stärkt, auf allen Ebenen.

Wer sich die leitenden Positionen der AfD im Saarland ansieht, muss vergleichsweise lange nach Frauennamen suchen. Wo stehen Frauen in der AfD Saarland?

Die Frauen sind herzlich willkommen in der AfD. Selbst in den anderen Parteien ist allgemein ein Mangel an Frauen. Meine Frau ist zum Beispiel Mitglied, die ist dabei.

Die Fragen stellten Simon Herz und Simone Bieringer

Wenige Tage nach dem Interview beschloss ein parteiinternes Gericht, Josef Dörr aus der AfD auszuschließen. Es wirft ihm unter anderem vor, dass er 2015 versucht haben soll, Absprachen mit einer rechtsextremen Gruppierung zu treffen. Dörr gibt an, die Hintergründe dieser Organisation nicht gekannt zu haben, und will sich gegen den Parteiausschluss juristisch wehren.

wirklich\\wahr \\wahlen
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Die Ausgabe \\wahlen zur Landtagswahl im Saarland 2022 wird gefördert von der Union Stiftung, Stiftung Demokratie Saarland, Villa Lessing & der Landeszentrale für politische Bildung Saarland.