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„Mein Ziel ist kostenfreie Bildung von der Kita bis zum Master“

„Mein Ziel ist kostenfreie Bildung von der Kita bis zum Master“

„Mein Ziel ist kostenfreie Bildung von der Kita bis zum Master“

Interview mit Anke Rehlinger, Spitzenkandidatin der SPD

SPD-Spitzenkandidatin Anke Rehlinger will die nächste Ministerpräsidentin des Saarlandes werden. Hier erklärt sie, wie sie das Land attraktiver machen will, und was genau ihre Motivation dafür ist.

Welche drei Themen stehen für Sie in der saarländischen Landespolitik im Mittelpunkt?

Arbeitsplätze zu halten sowie neue Arbeitsplätze zu schaffen, steht für mich im Mittelpunkt. Ein weiteres wichtiges Thema ist für mich die Bildungsgerechtigkeit. Allen Kindern sollen alle Chancen zu einer guten Bildung jederzeit zur Verfügung stehen. Aber auch Klimaschutz und Nachhaltigkeit ist für mich von großer Bedeutung: Rot kann auch Grün!

Soziale Herkunft entscheidet nicht selten über den Bildungserfolg. Was müsste in der Bildungspolitik geschehen, um für mehr Chancengleichheit zu sorgen?

Die Chancengleichheit und der Bildungserfolg haben sich im Saarland in den letzten Jahren enorm verbessert. Von einem der unteren Plätze bundesweit haben wir uns in die Top 5 vorgearbeitet, insbesondere bei der Frage, wie sehr Bildungspolitik von der Herkunft abhängt. Sozialdemokratische Bildungspolitik wirkt. Mein Ziel ist es, dass das Saarland den Weg an die Spitze schafft. Dafür müssen wir ein ganzes Bündel an Maßnahmen umsetzen. Dazu gehört mehr Zeit für Bildung. Des Weiteren sind Schulen nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch ein Ort der Entwicklung. Schülerinnen und Schüler sollen in all ihren Talenten gefördert werden. Dies wird allerdings nur funktionieren, wenn wir akzeptable Klassengrößen haben, vernünftige Gebäude, digitale Geräte und so weiter.

Das ist Anke Rehlinger
Das ist Anke Rehlinger

„Die SPD und ich haben die Einführung von G8 immer für falsch gehalten“

Warum verlief die Digitalisierung an den Schulen lange Zeit so schleppend? Weshalb dauert beispielsweise die Verwirklichung des Ziels, alle Schülerinnen und Schüler mit einem Tablet auszustatten, länger als geplant?

Das Saarland ist mit Blick auf Ausstattung, beispielsweise was die Tablets angeht, im bundesweiten Vergleich an der Spitze. Man kann natürlich kritisieren, dass dies insgesamt zu lange dauert, aber seit Corona wurde der Turbo gezündet: Wir werden es wahrscheinlich als erstes Bundesland schaffen, alle Schülerinnen und Schüler ab der dritten Klasse mit einem Tablet auszustatten. Es geht aber nicht nur darum, die Tablets zu kaufen, es muss natürlich auch dafür gesorgt werden, dass ein technischer Support, die passenden Lernprogramme sowie geschulte Lehrer vorhanden sind.

Die CDU will zum neunjährigen Gymnasium zurück. Auch Sie haben sich für G9 ausgesprochen. Wie sieht Ihr konkretes Konzept dafür aus?

Die SPD und insbesondere ich haben die Einführung von G8 immer für falsch gehalten. Wenn es nach uns gegangen wäre, hätten wir schon vor fünf Jahren zurück zu G9 gehen können. Jetzt, kurz vor der Wahl, hat die CDU offensichtlich einen Ausweg gesucht, was mich natürlich für die Schülerinnen und Schüler freut. Damit ist der Weg frei für die Debatte, wie wir für das Gymnasium einen Weg schaffen, Lernen nach dem eigenen Rhythmus zu ermöglichen. Hierfür muss die neue Landesregierung sich verständigen, wie wir den Lehrplan anpassen und neue Lerninhalte wie das Pflichtfach Informatik einbinden können. Gleichzeitig dürfen wir nicht nur auf die Gymnasien schauen. Wir haben mit der Gemeinschaftsschule bereits eine Schulform, mit der man zum Abitur gelangen kann. Beide Schulformen müssen gleichermaßen attraktiv sein.

Die CDU will zum neunjährigen Gymnasium zurück. Auch Sie haben sich für G9 ausgesprochen. Wie sieht Ihr konkretes Konzept dafür aus?

Die SPD und insbesondere ich haben die Einführung von G8 immer für falsch gehalten. Wenn es nach uns gegangen wäre, hätten wir schon vor fünf Jahren zurück zu G9 gehen können. Jetzt, kurz vor der Wahl, hat die CDU offensichtlich einen Ausweg gesucht, was mich natürlich für die Schülerinnen und Schüler freut. Damit ist der Weg frei für die Debatte, wie wir für das Gymnasium einen Weg schaffen, Lernen nach dem eigenen Rhythmus zu ermöglichen. Hierfür muss die neue Landesregierung sich verständigen, wie wir den Lehrplan anpassen und neue Lerninhalte wie das Pflichtfach Informatik einbinden können. Gleichzeitig dürfen wir nicht nur auf die Gymnasien schauen. Wir haben mit der Gemeinschaftsschule bereits eine Schulform, mit der man zum Abitur gelangen kann. Beide Schulformen müssen gleichermaßen attraktiv sein.

„Wir haben in dieser Pandemie gesehen, wie wichtig es ist, engagierte Pflegekräfte zu haben“

Die Corona-Pandemie hat auch das Saarland fest im Griff. Wie sehr spaltet Corona Ihrer Meinung nach das Saarland?

Die Gesellschaft ist durch Corona sehr gestresst. Natürlich sind nicht alle Bürgerinnen und Bürger mit allem einverstanden und viele Menschen haben auch verständlicherweise und ganz zu Recht Existenzängste. Demonstrationen gehören zu unserer Demokratie dazu. Ich glaube allerdings auch, dass einige Personen dieses Thema für sich nutzen, ähnlich wie bei der Flüchtlingskrise, teilweise werden die Demonstrationen unterwandert. Ob die Gesellschaft tatsächlich so gespalten ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Einerseits protestiert eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern gegen die Politik, andererseits halten sich aber auch Millionen von Menschen an die Regeln, lassen sich impfen und zeigen ihre Solidarität. Man muss die Lage ernst nehmen, sollte sie aber auch nicht überbewerten.

Welchen Weg halten Sie mit Blick auf eine Impfpflicht für den richtigen?

Ich bin für eine Impfpflicht ab 18 Jahren. Impfen ist das wirksamste Instrument, um aus dieser Pandemie rauszukommen. Klar ist, dass wir dafür eine saubere rechtliche Regelung benötigen. Wir müssen selbstverständlich Vorbereitungen treffen im Hinblick auf eine potenzielle nächste Welle, damit diese im besten Falle erst gar nicht entsteht.

Auch der Pflegenotstand hat sich durch die Pandemie weiter verschärft. Wie wollen Sie mehr junge Menschen für diesen Beruf begeistern?

Wir haben in dieser Pandemie gesehen, wie wichtig es ist, engagierte Pflegekräfte zu haben. Ab und zu mal „Dankeschön“ zu rufen, reicht nicht aus. Um mehr junge Menschen für den Pflegeberuf zu begeistern, ist es wichtig, Pflegekräften mehr Wertschätzung entgegenzubringen. Deshalb brauchen wir eine ordentliche Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen. Die Entscheidung der Bundesregierung, Gelder aus der Pflegekasse nur an diejenigen zu zahlen, die die tariflichen Standards einhalten, ist absolut richtig.

„Wir müssen es schaffen, mehr Mobilitätsmöglichkeiten bei weniger Verkehr hinzubekommen“

Sie sind als Ministerin auch für den ÖPNV zuständig. Wie wollen Sie den Personen- und Güterverkehr ökologisch, ökonomisch und sozial in Einklang bringen?

Mobilität ist eines der entscheidenden Zukunftsthemen. Wir müssen es schaffen, mehr Mobilitätsmöglichkeiten bei weniger Verkehr hinzubekommen. Zudem muss die Mobilität nachhaltig, barrierefrei und bezahlbar sein. Es muss beispielsweise auch möglich sein, morgens spontan ein Ticket per App zu buchen. Wir brauchen bessere Tarife und vielfältigere Angebote. Der günstigste Bus hilft nichts, wenn er nicht an meiner Haustür vorbeifährt. Wir haben erst vor Kurzem mit einer großen Tarifreform viele Verbesserungen auf den Weg gebracht. Nun gilt es, die Angebote auszubauen und kürzere Taktungen zu ermöglichen. Auch die Schiene spielt eine große Rolle und wir müssen das Schienennetz sowohl mit Blick auf den Personen- als auch den Güterverkehr ausbauen. All diese Themen und viele mehr sind Gegenstand des Verkehrsentwicklungsplans und damit unseres Masterplans für die Zukunft der Mobilität im Saarland.

Stichwort #freiefahrt für Freiwillige. Was halten Sie von dem Vorschlag, jungen Menschen, die sich im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres für ein Taschengeld sozial und gesellschaftlich engagieren, ein kostenloses ÖPNV-Ticket zu ermöglichen?

Wir haben jetzt einen großen Schritt gemacht mit der Tarifreform, aber es werden weitere folgen müssen. Dieser Vorschlag ist ein gutes Beispiel, an welchen Stellen man neue Nutzerinnen und Nutzer gewinnen kann und wie man gleichzeitig denjenigen, die sich sozial und gesellschaftlich engagieren, etwas zurückgeben kann. Ich will als nächsten Schritt ein 365-Euro-Ticket für junge Leute einführen, also Schülerinnen und Schüler, Azubis und eben auch Freiwilligendienstleistende. So geht es Schritt für Schritt weiter.

WGerade nachts an den Wochenenden haben es junge Menschen im Saarland außerhalb der Saarbrücker Innenstadt schwer, mit dem ÖPNV von A nach B zu kommen. Wie kann dieses Problem gelöst werden?

Das ist in der Regel eine Frage der Landkreise. Es sind aber mithilfe unserer Förderung bereits einige Nachtbusse unterwegs. Wir sollten uns bei dieser Thematik vor allem die Digitalisierung zunutze machen und uns fragen, wie wir beispielsweise mit einer Fahrgemeinschaftsapp für kleines Geld Mobilität für den ländlichen Bereich organisieren können. Dies gilt nicht nur für Nachtfahrten und junge Menschen, sondern für alle.

Welche umweltpolitischen Ziele stehen für Sie an erster Stelle?

Umwelt und Klimaschutz sind ein zentrales Thema. Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist dabei ein ganz großer Schlüssel. Wenn es nach mir geht, werden wir den Anteil der erneuerbaren Energien am verbrauchten Strom bis zum Jahr 2030 mindestens verdoppeln sowie den CO2-Ausstoß bis dahin halbieren. Wichtig ist auch die Frage, wie wir unser Land nutzen und was wir in diesem Zusammenhang zum Schutz der Gewässer und der Biodiversität tun. In der Landwirtschaft haben wir im Saarland bereits sehr viele Bio-Landwirte und wir sollten hierbei weitere Anreize setzen, sodass die Betriebe ihren Beitrag zum Umweltschutz leisten können. Auch beim Thema Wald sind wir im Saarland bereits vorbildlich unterwegs, könnten aber noch weitere Flächen aus der Bewirtschaftung nehmen und nachhaltige Waldwirtschaft betreiben. Wir haben im Saarland schon viel erreicht, wollen aber natürlich nicht nachlassen.

Gerade nachts an den Wochenenden haben es junge Menschen im Saarland außerhalb der Saarbrücker Innenstadt schwer, mit dem ÖPNV von A nach B zu kommen. Wie kann dieses Problem gelöst werden?

Das ist in der Regel eine Frage der Landkreise. Es sind aber mithilfe unserer Förderung bereits einige Nachtbusse unterwegs. Wir sollten uns bei dieser Thematik vor allem die Digitalisierung zunutze machen und uns fragen, wie wir beispielsweise mit einer Fahrgemeinschaftsapp für kleines Geld Mobilität für den ländlichen Bereich organisieren können. Dies gilt nicht nur für Nachtfahrten und junge Menschen, sondern für alle.

Welche umweltpolitischen Ziele stehen für Sie an erster Stelle?

Umwelt und Klimaschutz sind ein zentrales Thema. Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist dabei ein ganz großer Schlüssel. Wenn es nach mir geht, werden wir den Anteil der erneuerbaren Energien am verbrauchten Strom bis zum Jahr 2030 mindestens verdoppeln sowie den CO2-Ausstoß bis dahin halbieren. Wichtig ist auch die Frage, wie wir unser Land nutzen und was wir in diesem Zusammenhang zum Schutz der Gewässer und der Biodiversität tun. In der Landwirtschaft haben wir im Saarland bereits sehr viele Bio-Landwirte und wir sollten hierbei weitere Anreize setzen, sodass die Betriebe ihren Beitrag zum Umweltschutz leisten können. Auch beim Thema Wald sind wir im Saarland bereits vorbildlich unterwegs, könnten aber noch weitere Flächen aus der Bewirtschaftung nehmen und nachhaltige Waldwirtschaft betreiben. Wir haben im Saarland schon viel erreicht, wollen aber natürlich nicht nachlassen.

Gerade nachts an den Wochenenden haben es junge Menschen im Saarland außerhalb der Saarbrücker Innenstadt schwer, mit dem ÖPNV von A nach B zu kommen. Wie kann dieses Problem gelöst werden?

Das ist in der Regel eine Frage der Landkreise. Es sind aber mithilfe unserer Förderung bereits einige Nachtbusse unterwegs. Wir sollten uns bei dieser Thematik vor allem die Digitalisierung zunutze machen und uns fragen, wie wir beispielsweise mit einer Fahrgemeinschaftsapp für kleines Geld Mobilität für den ländlichen Bereich organisieren können. Dies gilt nicht nur für Nachtfahrten und junge Menschen, sondern für alle.

Welche umweltpolitischen Ziele stehen für Sie an erster Stelle?

Umwelt und Klimaschutz sind ein zentrales Thema. Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist dabei ein ganz großer Schlüssel. Wenn es nach mir geht, werden wir den Anteil der erneuerbaren Energien am verbrauchten Strom bis zum Jahr 2030 mindestens verdoppeln sowie den CO2-Ausstoß bis dahin halbieren. Wichtig ist auch die Frage, wie wir unser Land nutzen und was wir in diesem Zusammenhang zum Schutz der Gewässer und der Biodiversität tun. In der Landwirtschaft haben wir im Saarland bereits sehr viele Bio-Landwirte und wir sollten hierbei weitere Anreize setzen, sodass die Betriebe ihren Beitrag zum Umweltschutz leisten können. Auch beim Thema Wald sind wir im Saarland bereits vorbildlich unterwegs, könnten aber noch weitere Flächen aus der Bewirtschaftung nehmen und nachhaltige Waldwirtschaft betreiben. Wir haben im Saarland schon viel erreicht, wollen aber natürlich nicht nachlassen.

„Den Anteil der erneuerbaren Energien am Strom bis zum Jahr 2030 mindestens verdoppeln“

Das Saarland ist ein von Industrie geprägtes Bundesland. Wie können die verschiedenen Interessen beispielsweise von Umweltaktivisten und Arbeitern bei Ford oder ZF unter einen Hut gebracht werden?

Ich bin fest davon überzeugt, dass hier kein Widerspruch besteht. Der Klimaschutz ist für uns der Treiber, um nachhaltiges Wirtschaften für die Zukunft hinzubekommen. Ein gutes Thema ist hierbei die Wasserstoffwirtschaft. Hierfür sind wir natürlich auf den Ausbau der erneuerbaren Energien und auf ein paar Gaskraftwerke angewiesen. Der Bau der Elektrolyseure, um Wasserstoff herzustellen, kann ein eigener Wirtschaftszweig werden und damit wieder deutsche Ingenieurskunst nach vorne bringen. Mit Hilfe von Investitionen werden wir den Standort und damit auch die industrielle Basis in unserem Land sichern können. Wer es schafft, klimaneutralen Stahl zu wettbewerbstauglichen Bedingungen herzustellen, wird auch in Zukunft wettbewerbsfähig sein und die Nase vorne haben. Die Sicherung von Arbeitsplätzen mit neuen Technologien ist unser Plan für die Zukunft. Es geht nicht gegeneinander, sondern nur miteinander. Die SPD zeigt das mit ihren Kandidatenlisten, auf denen wir sowohl Vertreterinnen und Vertreter von „Fridays for Future“ als auch der IG Metall haben.

Gegen die Installation von Windkraftanlagen gibt es im Saarland an vielen Orten immer wieder größere Proteste. Was sagen Sie diesen Menschen?

Wir müssen mit den Bürgerinnen und Bürgern reden und darüber nachdenken, wie Regionen, in denen Windräder gebaut werden, auch davon profitieren können. Daher sollte auch die Frage, wie wir beispielsweise Bürgerenergiegenossenschaften weiter fördern, im Mittelpunkt stehen. Photovoltaik und Windkraft sind die besten Möglichkeiten einer nachhaltigen, günstigen Energieversorgung und es ist dementsprechend das Klügste, diesen Weg zu gehen. Deshalb kann am Ende auch nicht ausschließlich das eigene ästhetische Interesse über das Gesamtwohl des Landes entscheiden, weshalb wir versuchen müssen, so viele Menschen wie möglich mitzunehmen. Es muss im Einklang mit dem Umwelt- und Artenschutz selbstverständlich auch geschaut werden, wo die besten Flächen für den Ausbau liegen. Das bedeutet zwar, dass nicht alle Orte geeignet sind, wir sollten aber parallel auch nicht alle Flächen im Wald für ungeeignet erklären. Bei dem auf Wunsch unseres Koalitionspartners beschlossenen Gesetz, den Bau von Windkraftanlagen im Wald teilweise zu verhindern, sollten wir uns daher noch mal genau anschauen, inwieweit wir uns dies wirklich leisten können.

Im Saarland wurden die Kohlekraftwerke weitestgehend abgeschaltet. Die erneuerbaren Energien reichen für den Strombedarf im Saarland nicht aus. Gehört es nicht zur Wahrheit, dass das Saarland unter anderem Atomstrom aus Frankreich beziehen muss?

Faktisch gesehen ist das so. Die Stromnetze sind, wie sie sind. Nichtsdestotrotz kann jedes Land selbst entscheiden, welchen Beitrag es durch die Art der Stromerzeugung leistet. Mein bevorzugter Beitrag ist die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, sehr wohl wissend, dass wir alleine hier im Saarland den Energieverbrauch zum Beispiel der Stahlindustrie durch das Errichten von Windkraftanlagen nicht werden decken können. Dennoch gibt es andere Regionen in Europa, in denen man Strom aus erneuerbaren Energien gewinnen kann, wie Offshore im Norden Europas und Photovoltaik im Süden Europas. Für die Zukunft wäre es denkbar, dass das Saarland an ein entsprechendes (Wasserstoff-)Netz angebunden wäre. Das wäre natürlich eine Zukunftsversicherung für unser Land.

„Sagen Sie mal Frau Rehlinger...“

Mit welchem Verkehrsmittel fahren Sie zur Arbeit?
Überwiegend mit dem Auto. Wenn ich allerdings in der Innenstadt unterwegs bin, auch mal mit dem E-Scooter oder dem Fahrrad.
Ihre Lieblingsserie?
Ich schaue ehrlicherweise kaum Fernsehen und habe deshalb gar keine Lieblingsserie.
Ihr Lieblingsort im Saarland?
Mein Heimatort Wadern.
Wie entspannen Sie vom politischen Alltag?
Am liebsten, in dem ich draußen in der Natur bin. Mit dem Fahrrad oder beim Spazierengehen mit unserem Hund Mücke. Gerne lese ich aber auch zu Hause ein Buch oder arbeite im Garten.
Ihr Lieblingsessen?
Currywurst oder Lyoner.
Bereuen sie eine politische Entscheidung?
Im Nachhinein bereue ich, dass wir bei den Grenzschließungen im Zuge der Corona-Pandemie nicht genügend gegen die Linie des Koalitionspartners dagegengehalten haben. In der Haltung war ich klar, ich hätte aber vielleicht deutlicher widersprechen müssen.
Was tun Sie als Erstes, wenn Sie morgens ins Büro kommen?
Ich sage allen Mitarbeitern „Hallo“ und frage, wie es ihnen geht.
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Ein weiteres aktuelles Thema ist die Ansiedlung der Batteriefabrik SVolt auf dem Linslerfeld in Überherrn. Bürgerinitiativen und Umweltverbände sprechen sich gegen die Ansiedlung auf dem Linslerfeld aus. Wie möchten Sie anhand von diesem Beispiel Ökologie und den Schutz des Industriestandorts Saarland unter einen Hut bringen?

Industrie und Produktionsflächen brauchen Platz. An dieser Stelle stand für uns schlicht die Entscheidung: Entweder wir können die Fabrik an dieser Stelle realisieren oder sie wird nicht im Saarland errichtet. Wir sind zurzeit in einer Situation, in der es darum geht, im Saarland neue Arbeitsplätze entstehen zu lassen. In diesem Fall: neue Arbeitsplätze in einer Branche, die dazu beiträgt, Klimaschutz zu betreiben. In dieser Fabrik sollen Batteriezellen gefertigt werden, die anschließend in Elektrofahrzeuge eingebaut werden. Damit wollen wir auch das Problem beheben, über das sich die Gesellschaft so sehr beklagt: nämlich, dass es keine Batteriezellfertigung mehr in Deutschland und Europa gibt. Wenn man es im Großen betrachtet, ist das die Lösung für viele Probleme und nicht das Problem selbst. Selbstverständlich wird es, wie in einem Rechtsstaat üblich, ein sauberes Verfahren geben. Die Gesetze im Hinblick auf Eingriffe in die Natur müssen natürlich beachtet werden.

„Die SPD hat mit einer Frau als Spitzenkandidatin ein klares Zeichen für Frauen in der Politik gesetzt.“

Aktuell beträgt der Frauenanteil im Landtag 33,3 Prozent. Würden Sie als Ministerpräsidentin das kommende Landeskabinett paritätisch besetzen?

Die SPD hat im Kabinett derzeit zwei Frauen und einen Mann. Ich bin sehr dafür, Frauenförderung aktiv zu betreiben. Und ich bin sehr dafür, dass jeder selbst vorangeht. Die Saar-SPD tut das. Wir sind als Partei satzungsgemäß verpflichtet, unsere Listen im sogenannten Reißverschlussverfahren aufzustellen, das heißt, immer mit wechselndem Geschlecht. Andere behaupten das, sehen es aber erst auf den hinteren Plätzen vor.

Wären Sie für eine gesetzliche Frauenquote für den Landtag?

Unser französischer Nachbar ist diesen Weg bereits gegangen, auch einige Landtage in Deutschland. Allerdings sind deren Gesetze zunächst einmal von Gerichten wieder einkassiert worden. Deshalb sollte man aber das Ziel nicht aufgeben, dass die Hälfte der Bevölkerung auch unter den Abgeordneten ebenso vertreten ist. Eine gesetzliche Regelung dafür muss erst noch gefunden werden, im Moment sieht das schwierig aus. Aber auch im freien politischen Wettbewerb kann jeder prüfen, wer es ernst meint. Die SPD hat mit einer Frau als Spitzenkandidatin ein klares Zeichen für Frauen in der Politik gesetzt. Neben dem, was man gesetzlich vorschreibt, ist für mich die Frage, wie die Rahmenbedingungen dafür sind, dass Frauen den Einstieg in das Erwerbsleben finden und auch dauerhaft erwerbstätig sein können, mindestens genauso wichtig – gerade im Hinblick auf Kinderbetreuung und familienfreundliche Arbeitszeiten.

 

Was halten Sie von einer Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre bei Landtagswahlen?

Die Politik trifft Zukunftsentscheidungen, die junge Menschen besonders lange betreffen. Deswegen finde ich, dass junge Menschen auch darüber entscheiden sollten, wie ihre Zukunft aussieht. In vielen Bundesländern ist das Wahlalter ab 16 sowohl bei Kommunal- als auch bei Landtagswahlen möglich. Ich finde, das sollte auch im Saarland möglich sein. Die Ampel auf Bundesebene macht das ja vor.

„Meine Motivation ist eine ganz große Saarlandliebe.“

Wenn Sie Ministerpräsidentin werden: Mit wem würden Sie im Falle einer Koalitionsbildung am liebsten zusammenarbeiten?

Unser Ziel ist klar: Wir wollen stärkste Kraft werden. Alles andere muss man anhand des Wahlergebnisses der Bürgerinnen und Bürger entscheiden. Ich orientiere mich an Inhalten und gewiss auch daran, mit wem man daran glauben darf, dass man eine vernünftige Regierungsarbeit für die nächsten fünf Jahre organisiert bekommt.

Was ist Ihnen bei der Zusammenarbeit mit möglichen Koalitionspartnern besonders wichtig und wo würden Sie rote Linien ziehen?

 

Natürlich muss man bei den Inhalten vernünftige Positionen finden. Diese sollen nicht im kleinsten gemeinsamen Nenner liegen, sondern in der Antwort auf die Frage: „Was müssen wir tun, um eine gute Zukunft für unser Land zu organisieren?“ Des Weiteren ist neben den Inhalten für mich auch die Frage von großer Bedeutung, wie gut man sich vertrauen kann und wie verlässlich das ist, was man miteinander verabredet. Natürlich spielen auch handelnde Personen eine große Rolle in der Politik, das sollte man nicht unterschätzen.

Diesen Gegenstand hat Anke Rehlinger zu unserem Interview mitgebracht.

Wir haben alle Politiker:innen darum gebeten, zu den Interviews einen Gegenstand mitzubringen, der sie auf ihrem politischen Weg begleitet.

Ein Spaten als Symbol
“für den Aufbau” des Saarlandes.

Was könnten Sie besser machen als unser bisheriger Ministerpräsident Tobias Hans? Durch welche Stärken heben Sie sich gegenüber ihm ab?

Das Land steht vor großen Herausforderungen. Ich bin seit zehn Jahren Ministerin und habe drei Ministerien geführt. Während meiner politischen Laufbahn habe ich auch eine Reihe von Ansiedlungserfolgen zu verzeichnen und damit gezeigt, dass ich in Bezug auf die entscheidende Frage „Wer ist in der Lage, Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen?“ sagen kann, dass ich durchaus über Führungsstärke und Umsetzungskompetenzen verfüge. Ich halte das für zwei wesentliche Eigenschaften, die für die Zukunft dieses Landes entscheidend sind, und hoffe insofern auch, die Wählerinnen und Wähler damit überzeugen zu können. Das Wichtigste, was man für all das in der Politik braucht, ist Motivation. Meine Motivation ist eine ganz große Saarlandliebe. Diese Liebe treibt mich, lässt mich jeden Morgen aufstehen und lässt mich auch immer weiter an meinen Projekten arbeiten, für die Zukunft dieses Landes!

wirklich\\wahr \\wahlen
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„wirklich\\wahr“ ist das junge Magazinformat der Medienebene e.V., dem jungen Medienverband im Südwesten.


Die Ausgabe \\wahlen zur Landtagswahl im Saarland 2022 wird gefördert von der Union Stiftung, Stiftung Demokratie Saarland, Villa Lessing & der Landeszentrale für politische Bildung Saarland.