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„Wir sind im Moment die einzige seriöse Alternative“

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„Wir sind im Moment die einzige seriöse Alternative“

Interview mit Angelika Hießerich-Peter, Spitzenkandidatin der FDP

Die FDP will nach zehn Jahren zurück in den Landtag. Spitzenkandidatin Angelika Hießerich-Peter erklärt, wie die Liberalen junge Menschen von sich überzeugen wollen und welche konkrete Idee sie für Auszubildende hat.

Frau Hießerich-Peter, bei der Bundestagswahl 2021 hat die FDP besonders bei Jungwählerinnen und Jungwählern sehr gut abgeschnitten. Woran lag das Ihrer Einschätzung nach und lässt sich das im Saarland wiederholen?

Viele junge Menschen haben die FDP gewählt, weil sie ihren Fokus auf andere Themen legen, als sie zum Beispiel von der „Fridays for Future“-Bewegung platziert werden. Ich denke hier besonders an junge Menschen, die nicht in der Stadt wohnen und studieren, sondern solche, die in Dörfern leben und vielleicht eine Ausbildung machen und dementsprechend eine ganz andere Lebensrealität haben. Während meiner Kandidatur für den Bundestag habe ich bei verschiedenen Veranstaltungen in Schulen die Erfahrung gemacht, dass viele Jugendliche sich eher von einem positiven Zukunftsbild, wie wir als FDP es skizzieren, angesprochen fühlen. 

„Die FDP bildet die Lebensrealität von Schülerinnen und Schülern einfach besser ab.“

Das ist Angelika Hießerich-Peter

Was meinen Sie damit?

Für die Schülerinnen und Schüler bildet die FDP ihre Lebenswirklichkeit einfach besser ab. Außerdem ist ein positives Zukunftsszenario wichtig für junge Menschen. Die FDP steht für Chancen, Entfaltung und Entwicklungsmöglichkeiten und somit im Gegensatz zu einer wachsenden Verbotsrhetorik, die eher negativ in die Zukunft blicken lässt, was viele junge Menschen natürlich abschreckt. Wir sehen der Zukunft positiv entgegen und bieten vielfältige Lösungen an. Ich denke, so können wir es auch schaffen, die jungen Wählerinnen und Wähler im Saarland zu überzeugen.

Wenn Sie sich jetzt nur ein saarländisches Top-Thema aussuchen müssten, welches liegt Ihnen besonders am Herzen?

Ganz oben steht natürlich das Thema „Bildung“. Ich glaube, wir haben im Saarland in den letzten zwei Jahren ganz viele Defizite in den Schulen erlebt. Ich beziehe das auch ganz bewusst nicht nur auf die Gymnasien oder Hochschulen. Mir liegen auch die Gemeinschaftsschulen, beruflichen Bildungszentren, aber auch die Grundschulen oder Kitas am Herzen. Da haben wir extrem viel Nachholbedarf.

„Der Klimawandel ist die Chance für eine Generation, ihre berufliche Heimat in neuen Technologien zu finden.“

Der Klimawandel ist natürlich für junge Leute auch im Saarland ein ganz großes Thema. Wie möchten Sie dieser großen Herausforderung begegnen?

Ich denke, in der Klimawandelthematik stecken mehr Chancen als Risiken, weshalb wir von der derzeit vorherrschenden Katastrophen-Szenario-Rhetorik wegkommen müssen. Ganz klar ist der Klimawandel ein extrem wichtiges Thema, von der kommunalen Ebene bis zur globalen Ebene, das überall angegangen werden muss. Ich sehe das auch als Chance für eine Generation, ihre berufliche Heimat in den dringend benötigten Technologien und Lösungsansätzen zu finden. Viele junge Leute haben Lust, sich damit auseinanderzusetzen, wie man mit dieser großen Herausforderung umgehen kann. Ich denke, darin steckt unglaublich viel Potenzial.

Wie passen Ihre Pläne für die Wirtschaft mit einem besseren Klimaschutz zusammen?

Wir müssen Branchen und Technologien entwickeln, die die Anpassung an den Klimawandel zum Inhalt haben. Das können zum Beispiel ganz spannende neue Studienfächer oder Ausbildungen sein, die in der Zukunft eine große Rolle spielen werden. Im Saarland müssen wir uns besonders mit der Transformation von Arbeitsplätzen in der Industrie auseinandersetzen. Wir müssen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch gezielte Fort- und Weiterbildungen einbeziehen. So kann man in allen Bereichen schon bestehende Kompetenzen ausbauen, um dann neue, spannende und auch zukunftssichere Arbeitsplätze zu schaffen.

Der Klimawandel ist natürlich für junge Leute auch im Saarland ein ganz großes Thema. Wie möchten Sie dieser großen Herausforderung begegnen?

Ich denke, in der Klimawandelthematik stecken mehr Chancen als Risiken, weshalb wir von der derzeit vorherrschenden Katastrophen-Szenario-Rhetorik wegkommen müssen. Ganz klar ist der Klimawandel ein extrem wichtiges Thema, von der kommunalen Ebene bis zur globalen Ebene, das überall angegangen werden muss. Ich sehe das auch als Chance für eine Generation, ihre berufliche Heimat in den dringend benötigten Technologien und Lösungsansätzen zu finden. Viele junge Leute haben Lust, sich damit auseinanderzusetzen, wie man mit dieser großen Herausforderung umgehen kann. Ich denke, darin steckt unglaublich viel Potenzial.

Wie passen Ihre Pläne für die Wirtschaft mit einem besseren Klimaschutz zusammen?

Wir müssen Branchen und Technologien entwickeln, die die Anpassung an den Klimawandel zum Inhalt haben. Das können zum Beispiel ganz spannende neue Studienfächer oder Ausbildungen sein, die in der Zukunft eine große Rolle spielen werden. Im Saarland müssen wir uns besonders mit der Transformation von Arbeitsplätzen in der Industrie auseinandersetzen. Wir müssen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch gezielte Fort- und Weiterbildungen einbeziehen. So kann man in allen Bereichen schon bestehende Kompetenzen ausbauen, um dann neue, spannende und auch zukunftssichere Arbeitsplätze zu schaffen.

„Ein Meisterabschluss einer Ausbildung muss am Ende so viel Wert sein wie ein Masterabschluss an der Uni.“

Sie haben bereits Ausbildungen angesprochen – ein wichtiges Thema, gerade im Saarland. Trotzdem sind in den vergangenen Jahren viele Ausbildungsplätze freigeblieben. Wie wollen Sie Ausbildungen zukünftig attraktiver machen?

Mit dem Thema läuft man bei mir offene Türen ein. Ich komme selbst aus dem Hotelfach. Auch da ist die Zahl der Interessenten an Ausbildungen stark zurückgegangen. Das hat viele verschiedene Gründe. Ich glaube, der Kern liegt darin, dass wir es wieder schaffen müssen, den Wert der Ausbildung stärker in den Fokus zu stellen. Wir müssen diese Abwertung zwischen akademischem Abschluss und beruflichem Abschluss aufbrechen – bei den jungen Menschen, aber auch in den Familien. Denn es ist toll, wenn jemand eine Ausbildung machen kann und mit einem Ausbildungsberuf auch relativ früh schon sein eigenes Geld verdienen kann. Eltern dürfen nicht das Gefühl haben, versagt zu haben, wenn ihre Kinder nicht mindestens Abitur machen oder studieren. Zum Zweiten müssen wir aber auch verschiedene Maßnahmen ergreifen, die Ausbildung gleichzustellen.

Wie soll das gelingen?

Wir wollen zum Beispiel das Semesterticket der Studierenden auch für Auszubildende öffnen. Heute ist es ja nicht mehr so, dass der Ausbildungsbetrieb unbedingt im Dorf ist. Da müssen die Azubis oft weitere Wege in Kauf nehmen. Deshalb ist es natürlich für Auszubildende ein finanzieller Aspekt, wenn sie für das Ticket viel Geld ausgeben müssen. 

Ihre Partei möchte Deutschland an der Weltspitze im Thema Bildung sehen. Was bedeutet das für die Bildung im Saarland?

Wir müssen davon wegkommen, dass wir in 16 Bundesländern 16 verschieden Bildungswege mit 16 verschiedenen Abschlussmöglichkeiten haben – hin zu einem einheitlichen System. Jedes Bildungssystem auf der Welt hat seine Vor- und Nachteile, aber was sie alle eint, ist das Ziel, dass junge Menschen nach ihrer Schulausbildung das Rüstzeug haben, um gut in den Beruf zu starten. Für uns liegt der Fokus auf modernen Bildungsformen und besonders auf der Digitalisierung des Bildungswesens. Wir möchten, dass Schülerinnen und Schüler aus Deutschland mit denen aus anderen Ländern mithalten können. Ich denke aber auch, dass es gute Teile unseres Bildungssystems gibt, auf die wir stolz sein können. Vor allem die duale berufliche Bildung – ob betriebliche Ausbildung oder duales Studium – ist etwas, worum uns viele Länder in Europa beneiden. 

Für uns ist klar: Ein Meisterabschluss einer Ausbildung muss am Ende so viel Wert sein wie ein Masterabschluss an der Uni. Das Wichtigste für ein gutes Bildungssystem ist, dass die jungen Menschen gut auf ihre Zukunft vorbereitet sind und alle die gleichen Chancen haben. Das darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen, sondern muss für alle gleich gelten, damit niemand abgehängt wird. Außerdem muss es Möglichkeiten geben, dass Kinder gezielt gefördert werden. Diejenigen mit einem hohen Potenzial müssen mehr gefordert werden und gleichzeitig müssen Kinder, die dringend Hilfe benötigen, diese auch bekommen. So hat jeder die Chance, das Beste aus seinen Möglichkeiten zu machen.

Sie sind für eine Wiedereinführung von G9 im Saarland. Was würde das für die Gemeinschaftsschulen bedeuten?

Als bei meiner Tochter im Jahrgang G8 eingeführt wurde, habe ich mich in der Elternvertretung engagiert und aus erster Hand erlebt, wie diese Veränderung gewirkt hat und wie schwer sich viele Kinder mit dem Gymnasium getan haben. Durch G8 gab es keine Möglichkeit mehr, den Stoff zu vertiefen. Dieser „Mut zur Lücke“ ging immer auf Kosten der Kinder. Ich stand der Einführung von G8 damals schon sehr kritisch gegenüber und das tue ich auch heute noch. Aus meiner Sicht sollten die Gemeinschaftsschulen dafür sorgen, dass die Kinder bis zum Hauptschulabschluss bzw. zur mittleren Reife das Rüstzeug mitbekommen, um später auf eigenen Beinen zu stehen und über ihre weitere Laufbahn entscheiden können. Das wollen wir erreichen, indem wir die Gemeinschaftsschulen modularisieren. Es ist wichtig, dass auch weiterhin die Möglichkeit besteht, an der Gemeinschaftsschule Abitur zu machen. Trotzdem ist es wichtig, den Schülerinnen und Schülern am Gymnasium das Gleiche mitzugeben, damit auch sie, wenn sie die Schule verlassen, auf das Leben vorbereitet sind. Wir wollen mit dem „Gymnasium Plus“ das Gymnasium aufwerten, die Lehrpläne um die Fächer Wirtschaft und Informatik erweitern.

Gehen wir jetzt wieder weg von den Kindern hin zu Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Im Saarland ist es ja, so, dass wir einige große Industrie-Unternehmen haben, die künftig echte Probleme haben werden. Wie schafft man es, gerade in diesen großen Firmen Arbeitsplätze zu sichern?

Aus meiner Sicht ist die Fort- und Weiterbildung von Arbeitnehmern ein ganz wichtiger Punkt, Stichwort „Lebenslanges Lernen“. Wir haben im Bereich der kleinen und mittelständischen Unternehmen einen extremen Fachkräftebedarf. Diese Unternehmen sind durchaus in der Lage, Arbeitnehmer, die unter Umständen in der Industrie keine Zukunft mehr haben, aufzunehmen. 

Außerdem muss man bei der Arbeitsplatzsicherung auch über das Thema Technologie-Offenheit sprechen. Wir sollten uns davor hüten, pauschal den Verbrennungsmotor abschaffen zu wollen. Da stehen zigtausende Arbeitsplätze auf dem Spiel. Das sind tausende Existenzen von Familien im Saarland. Stattdessen sollten wir eher auf die Weiterentwicklung des Verbrennungsmotors setzen, zum Beispiel mit den Kraftstoffen der Zukunft. Ich glaube, das ist der Schlüssel. Insgesamt möchte ich, dass wir es schaffen, unsere Wirtschaft in Zukunft noch ein Stück weit mehr zu diversifizieren, damit wir eben nicht mehr von einer einzelnen Branche oder von großen Industriebereichen abhängig sind.

Gehen wir jetzt wieder weg von den Kindern hin zu Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Im Saarland ist es ja, so, dass wir einige große Industrie-Unternehmen haben, die künftig echte Probleme haben werden. Wie schafft man es, gerade in diesen großen Firmen Arbeitsplätze zu sichern?

Aus meiner Sicht ist die Fort- und Weiterbildung von Arbeitnehmern ein ganz wichtiger Punkt, Stichwort „Lebenslanges Lernen“. Wir haben im Bereich der kleinen und mittelständischen Unternehmen einen extremen Fachkräftebedarf. Diese Unternehmen sind durchaus in der Lage, Arbeitnehmer, die unter Umständen in der Industrie keine Zukunft mehr haben, aufzunehmen. 

Außerdem muss man bei der Arbeitsplatzsicherung auch über das Thema Technologie-Offenheit sprechen. Wir sollten uns davor hüten, pauschal den Verbrennungsmotor abschaffen zu wollen. Da stehen zigtausende Arbeitsplätze auf dem Spiel. Das sind tausende Existenzen von Familien im Saarland. Stattdessen sollten wir eher auf die Weiterentwicklung des Verbrennungsmotors setzen, zum Beispiel mit den Kraftstoffen der Zukunft. Ich glaube, das ist der Schlüssel. Insgesamt möchte ich, dass wir es schaffen, unsere Wirtschaft in Zukunft noch ein Stück weit mehr zu diversifizieren, damit wir eben nicht mehr von einer einzelnen Branche oder von großen Industriebereichen abhängig sind.

 

Gehen wir jetzt wieder weg von den Kindern hin zu Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Im Saarland ist es ja, so, dass wir einige große Industrie-Unternehmen haben, die künftig echte Probleme haben werden. Wie schafft man es, gerade in diesen großen Firmen Arbeitsplätze zu sichern?

Aus meiner Sicht ist die Fort- und Weiterbildung von Arbeitnehmern ein ganz wichtiger Punkt, Stichwort „Lebenslanges Lernen“. Wir haben im Bereich der kleinen und mittelständischen Unternehmen einen extremen Fachkräftebedarf. Diese Unternehmen sind durchaus in der Lage, Arbeitnehmer, die unter Umständen in der Industrie keine Zukunft mehr haben, aufzunehmen. 

Außerdem muss man bei der Arbeitsplatzsicherung auch über das Thema Technologie-Offenheit sprechen. Wir sollten uns davor hüten, pauschal den Verbrennungsmotor abschaffen zu wollen. Da stehen zigtausende Arbeitsplätze auf dem Spiel. Das sind tausende Existenzen von Familien im Saarland. Stattdessen sollten wir eher auf die Weiterentwicklung des Verbrennungsmotors setzen, zum Beispiel mit den Kraftstoffen der Zukunft. Ich glaube, das ist der Schlüssel. Insgesamt möchte ich, dass wir es schaffen, unsere Wirtschaft in Zukunft noch ein Stück weit mehr zu diversifizieren, damit wir eben nicht mehr von einer einzelnen Branche oder von großen Industriebereichen abhängig sind.

„Wir müssen die digitale Infrastruktur ‚bis zur letzten Milchkanne‘ ausbauen“

Ein anderes großes Thema Ihrer Partei ist die Digitalisierung. Wie soll denn die digitale Infrastruktur im Saarland am besten aussehen?

Im Saarland sind immer noch 6,4 Prozent der Haushalte nicht mit entsprechend leistungsfähiger Internetverbindung ausgestattet. Besonders auf dem Land ist das ein großes Problem. Die Betriebe dort können oft aufgrund mangelnder digitaler Infrastruktur ihre Arbeit nicht so machen, wie sie es gerne würden. Das kann nicht sein und deshalb müssen wir die digitale Infrastruktur „bis zur letzten Milchkanne“, also bis in den letzten Winkel des Saarlandes, ausbauen. Das fängt bei Mobilfunk an und geht weiter über die Breitbandversorgung, um die Möglichkeit zu schaffen, dass Betriebe auch überall existieren können. Wenn wir das schaffen, haben wir die Chance, in Zukunft der Landflucht entgegenzuwirken. 

 

Digitalisierung ist ja auch ein großes Thema an den Schulen…

Auch die brauchen eine entsprechende digitale Infrastruktur, die auch auf dem Land nutzbar sein muss. Außerdem müssen natürlich alle Lehrkräfte an den jeweiligen Endgeräten aus- und fortgebildet und diese ihnen auch von der Schule zur Verfügung gestellt werden. Es kann nicht sein, dass viele Lehrerinnen und Lehrer ihre private Technik im Unterricht verwenden müssen.

„Sagen Sie mal Frau Hießerich-Peter..."

Mit welchem Verkehrsmittel fahren Sie zur Arbeit?
Mit dem Auto, weil es keine andere Möglichkeit gibt.
Ihre Lieblingsserie?
Ich muss zugeben, ich habe relativ wenig Zeit zum Fernsehen, insofern fällt mir das ein bisschen schwer. Aber früher als Kind habe ich mit Begeisterung „Die Waltons“ geschaut.
Ihr Lieblingsort im Saarland?
Natürlich mein Zuhause, das ist ganz klar.
Wie entspannen Sie vom politischen Alltag?
Bei einem guten Buch zu Hause auf der Couch oder im Sommer im Garten und einem schönen Glas Rotwein.
Ihr Lieblingsessen?
Pasta in jeder Form, weil Pasta glücklich macht.
Bereuen sie eine politische Entscheidung?
Das, was ich bis jetzt an politischen Entscheidungen getroffen habe, war ja alles im Ehrenamt, insofern habe ich jetzt nichts bewusst im Sinn. Vielleicht, dass ich zu spät eingestiegen bin.
Was tun Sie als Erstes, wenn Sie morgens ins Büro kommen?
Meinen Tee aufsetzen.
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Sie sprachen bereits an, dass Dörfer aufgrund fehlender Infrastruktur veröden. Tatsächlich ist es aber im Moment so, dass die Immobilienpreise sogar explodieren, weil ganz viele Menschen auch wieder hier im Saarland Immobilien kaufen wollen. Auch die Mieten in Saarbrücken sind am zehnthöchsten in ganz Deutschland. Wie wollen Sie es künftig schaffen, dass im Saarland bezahlbarer Wohnraum entsteht?

Hierfür müssen wir das Baurecht so weit entschlacken, damit Bauen erstens schneller geht und zweitens auch günstiger wird. Außerdem gibt es eine ganze Menge Auflagen, die in den letzten Jahren entwickelt wurden, die das Bauen unglaublich verteuert haben – Auflagen, die zum Thema „ökologisches Bauen“ entstanden sind, aber auch Brandschutzmaßnahmen. Alleine dadurch sind die Baukosten schon um gute 25 Prozent gestiegen. Das wirkt sich dann natürlich auch auf die Mieten aus. Grundsätzlich müssen wir tatsächlich mehr und vor allem schneller bauen, um auffangen zu können, dass wir in bestimmten Zentren eine problematische Mietpreisentwicklung haben. Wobei man auf der anderen Seite auch gleichzeitig Regionen im Saarland hat, in denen die Häuser verfallen, weil niemand dahin will. Dazu muss man dann wieder die Infrastruktur in den Dörfern verbessern. Wenn die Schulen nach und nach geschlossen wurden und wenn die Kindertageseinrichtungen schließen, habe ich auch keine Chance, junge Familien davon zu überzeugen, dass es auch interessant sein kann, im Dorf zu leben. Wenn ich will, dass die Menschen da wohnen wollen, dann muss ich dafür sorgen, dass die Infrastruktur dort gut ist.

Ein wichtiges Thema, besonders für junge Leute, die auf dem Land leben, ist der ÖPNV. Wenn man beispielsweise eine Ausbildung macht, geht ein großer Teil des Lohns für ein Monatsticket drauf. Außerdem ist die Anbindung oft schlecht. Wie schafft man es, dass junge Menschen hier nicht abgehängt werden?

Wie schon erwähnt, wollen wir das Semesterticket auch für Auszubildende öffnen, um so gleiche und gerechte Bedingungen zu schaffen. Von dem Gedanken, dass auch in den Dörfern Busse mehrmals in der Stunde fahren, müssen wir uns aber meiner Ansicht nach verabschieden, denn das ist finanziell einfach nicht machbar. Auf lange Sicht gesehen, müssen wir über innovative und klimaneutrale ÖPNV-Konzepte nachdenken, wie zum Beispiel On-Demand-Fahren oder autonomes Fahren. Das wird in der Zukunft mit Sicherheit eine größere Rolle spielen. Allerdings setzt das auch einen Ausbau der digitalen Infrastruktur voraus, ohne die geht es nicht.

„Wir brauchen eine Exit-Strategie für den Weg zurück in die Normalität“

Ein wichtiges Thema ist nach wie vor die Corona-Krise. Wie kann man einer Spaltung der Gesellschaft durch diese Krise entgegenwirken?

Alle Maßnahmen gegen Corona müssen immer verhältnismäßig und nachvollziehbar sein. Es ist der FDP im Bundestag zu verdanken, dass die Entscheidungen re-parlamentarisiert und ein erneuter harter Lockdown verhindert wurde. Diesen Weg müssen wir weiter gehen, erforderliche Maßnahmen erklären und sie immer wieder auf den Prüfstand stellen. Die Lage ist nicht stabil, daher müssen wir auch flexibel auf die Entwicklung reagieren. Führende Wissenschaftler prognostizieren, dass wir auf der Zielgeraden sind – von einer pandemischen in eine endemische Lage. Jetzt müssen wir ein Exit-Szenario entwickeln, das uns den Weg zurück in die Normalität aufzeigt. Diesen Weg sollte die FDP in der Bundesregierung vorantreiben.

Viele Betriebe, auch im Saarland, haben unter Corona gelitten und müssen teilweise um ihre Existenz bangen. Wie wollen Sie die Wirtschaft im Saarland wieder ankurbeln und die Betriebe unterstützen?

Mit der oben genannten Exitstrategie sollten wir den Betrieben so schnell wie möglich wieder die Möglichkeit geben, zu ihrem normalen Betriebsalltag zurückzufinden. Die staatlichen Hilfsprogramme müssen so lange weitergeführt werden, wie der Geschäftsbetrieb, zum Beispiel in der Veranstaltungs- oder Messebranche, durch Corona-Maßnahmen eingeschränkt ist. Wir müssen Bürokratie abbauen und die Betriebe bei der Digitalisierung unterstützen.

Wir haben jetzt viele Themen angesprochen, was wäre denn das Erste, was Sie im Landtag angehen wollen?

Das Erste, was für mich im Landtag tatsächlich eine Rolle spielen würde, ist, glaube ich, dass wir das Wahlrecht überdenken. Darüber muss man auch mit allen Parteien diskutieren. Wir brauchen im Saarland ein modernes Wahlrecht, das den Wählerwillen widerspiegelt. Ansonsten sollten all die Dinge, die relativ schnell umsetzbar sind, angegangen werden. Zum Beispiel die Ausweitung des Semestertickets auf Auszubildende. Das ist relativ einfach umsetzbar, die Auszubildenden hätten schnell etwas davon – und das, ohne dass es wahnsinnig viel kostet.

„In den Schulen muss intensiver und kontroverser über Politik gesprochen werden“

Wie können junge Menschen in politische Entscheidungen besser involviert werden? Es gibt ja auch im Saarland schon einige Stimmen, die für ein Wahlrecht ab 16 werben, würde die FDP das auch unterstützen?

Wir als FDP haben bereits im vergangenen Jahr beschlossen, das Wahlrecht ab 16 einzuführen. Dieser Beschluss findet sich jetzt auf Bundesebene im aktuellen Koalitionsvertrag wieder. Ich glaube schon, dass eine solche Änderung junge Menschen mehr dazu bewegen kann, sich zu engagieren und sich in politische Prozesse einzubringen. Auf kommunaler Ebene würde ich mir wünschen, dass sich mehr Leute engagieren und die bereits bestehenden Möglichkeiten dazu wahrnehmen würden. Es ist wichtig, dass auch an den Schulen wieder intensiver und kontroverser über Politik gesprochen wird. Politische Bildung muss die breite Realität abbilden und den jungen Menschen die Möglichkeiten aufzeigen, die es gibt, um sich einzubringen. Am wichtigsten bleibt für mich der Austausch mit jungen Menschen, ob in der Schule, beim Wahlkampf oder in der Partei. 

 

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, es sich auszusuchen, würden Sie dann lieber eine Ampelkoalition im Saarland machen oder lieber wieder Jamaika wie schon 2009?

Wir sind zur Bundestagswahl als eigenständige Partei angetreten und haben mit unserem Ergebnis gezeigt, dass es uns gelungen ist, uns eigenständig zu positionieren. Das war für uns ein historischer Erfolg. Wir wurden für unsere Inhalte und für unsere Position gewählt. Klar müssen wir anschließend in der Lage sein, mit allen Parteien des demokratischen Spektrums zu reden. Aber ich finde es sehr wichtig, dass Parteien ihre eigene Identität im Wahlkampf zeigen. Am Ende muss man dann auf Augenhöhe zusammenfinden und dann ist es völlig egal, ob wir jetzt über Jamaika, über eine Ampel oder über andere Bündnisse reden.

„Die Menschen wollen Veränderung“

Ihre Kampagne für die Landtagswahl heißt „Ein Land will neu“. Was genau verbirgt sich dahinter?

Wir sind seit vielen Monaten unterwegs, haben gerade eine Bundestagswahl hinter uns und haben viele Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern geführt, ob auf der Straße, an den Haustüren, in Betrieben oder in Schulen. Eins ist immer wieder klar geworden: Die Menschen wollen Veränderung, sie wollen Aufbruch. Dafür stehen wir und deshalb kann es diese Veränderung nur mit einer starken FDP im Saarland geben. Und, das sage ich jetzt mal so selbstbewusst, wir sind im Moment die einzige seriöse Alternative, mit der es diese Chance auf Veränderung im Saarland gibt. 

Diesen Gegenstand hat Angelika Hießerich-Peter zu unserem Interview mitgebracht.

Wir haben alle Politiker:innen darum gebeten, zu den Interviews einen Gegenstand mitzubringen, der sie auf ihrem politischen Weg begleitet.

Handschuhe, da sie diese momentan täglich trägt (gerade zu dieser Zeit im Winter) und da ihre Hände schnell kalt werden.

Auf ihrer Website kann man den Satz lesen: „Freie Demokraten interessiert nicht, wo du herkommst, sondern wo du hinwillst.“ Wo wollen Sie denn hin?

Das ist ganz einfach: Ich will mit einer starken neuen FDP-Fraktion in den Landtag.

Die Fragen stellte Lena Ziegler und Hannah Pauly.

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„wirklich\\wahr“ ist das junge Magazinformat der Medienebene e.V., dem jungen Medienverband im Südwesten.


Die Ausgabe \\wahlen zur Landtagswahl im Saarland 2022 wird gefördert von der Union Stiftung, Stiftung Demokratie Saarland, Villa Lessing & der Landeszentrale für politische Bildung Saarland.